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Reisebericht 2022

Nach zweieinhalb Jahren Corona bedingter Pause war das Wiedersehen am 5.Juli im Fatima Center riesig, „Welcome Home“ hörte ich alle rufen. Es fällt mir schnell auf, dass die Facefamilie  kleiner geworden ist. Wegen der Pandemie sind einige Kinder nach Hause gegangen, um dort zu unterstützen, und es konnten keine neuen Kinder aufgenommen werden, obwohl der Bedarf sehr groß ist. Durch die massive Zunahme der Armut wissen viele Familien nicht, wie sie das Essen für den nächsten Tag auf den Tisch bringen, geschweige denn ihren Kindern Schulbildung  ermöglichen sollen. Im Heim sieht es gerade etwas positiver aus: Kurz vor Schulanfang erreichte mich die Nachricht, dass 8 neue Kinder aufgenommen wurden. Für den Anwesenheitsunterricht musste investiert werden, um den Corona-Bestimmungen gerecht zu werden. Allerdings ist in allen Schulen zu beobachten dass die Schülerzahlen sinken, da es teilweise schon an den Transportkosten scheitert, welche doppelt so teuer geworden sind. 1l Diesel kostete zur Zeit meines Besuches ca. 1,70€, die Preisentwicklung ist ähnlich wie bei uns. Wie hier haben die Menschen große Sorgen und Ängste, wie die weltweite Entwicklung sein wird, allerdings ist für die meisten Menschen auf den Philippinen die Ausgangslage eine andere…. Dazu kommt eine mit Sorge zu betrachtende Regierung. 

Ich konnte viel Zeit mit Schwester Felicitas verbringen, es gab viele ernste Gespräche aber noch mehr fröhliche Momente und spannende Geschichten. Sie erzählte viel aus ihrer Zeit im Orden, ihrer Missionsarbeit und nicht zuletzt über die Anfänge und Entwicklung des Fatima Centers. Es wurde viel gesungen und gelacht. Ich nehme diese Zeit als sehr wertvoll mit nach Hause. Es ist erstaunlich wie sie ihren festen Glauben lebt und jede noch so kritische Frage beantworten kann. Ihr Geist ist so rege wie eh und je, sie hat Ideen und Pläne, wie sie weiterhin die Lebensumstände verbessern möchte. Jedes Gespräch mit ihr ist eine Lehrstunde fürs eigene Leben.

Die ganze Fatima Familie konnte ich in das eigene, von den Studenten des Fatima Centers betriebene FACE FOOD HUB einladen. Alle hatten einen Riesen Spaß und das Schöne daran ist, dass die Einnahmen in die eigene Kasse flossen => doppelt gewonnen! Auch meine alten Freunde - frühere Fatima Center Mitglieder - lud ich dahin ein und es gab ein schönes Wiedersehen mit viel Spaß und vielen Gesprächen. Von einigen Freunden wurde ich nach Hause eingeladen. Es ist immer eine große Ehre für die ganze Familie, gutes Essen anbieten zu können, dies gehört zur philippinischen Tradition. Übrigens: Die philippinische Küche ist sehr lecker! 

Alle Kinder warten schon auf den Schwimmausflug, der ein ungeschriebenes Gesetz ist, wenn ich komme. Es ging mit allen nach Balatan zu Schwester Felicitas ans Meer, mit Übernachtung, Lagerfeuer, Stockbrot, Eiscreme und Videoke (dem phil. Volkssport: Singen für jedermann). Wir hatten alle richtig viel Spaß, besonders die Kleineren, sie waren noch nie über Nacht am Meer und Schwester Felicitas hatte Kindertrubel um sich, aber nach wie vor in sicherem Abstand. 

Ein besonderes Erlebnis für mich war die Einladung zu einem "Graduation-Blow Out". Alma, lebt seit 10 Jahren im Fatima Center, sie  hat ihr Lehramt Studium mit Bravour bestanden. Zusammen mit ihren engsten Freundinnen aus dem FACE war ich zu ihr nach Hause zur Feier eingeladen. Es ist etwas ganz besonderes, wenn ein Kind einen Universitätsabschluss machen kann. Das konnte ich deutlich spüren, die Dankbarkeit und der Stolz der Familie und nicht zuletzt von Alma, hat mich tief bewegt. Es war eine lange, schöne Feier, übernachten durften wir im Zimmer der Großeltern. Besonders schön: Alma bleibt dem Heim nun als Lehrerin erhalten. 

Am nächsten Tag besuchten wir noch ehemalige FACE Mitglieder und gingen  schwimmen. Hierfür muss man nicht gerichtet sein, da es einfach mit Kleidung ins kühle Nass geht.

Die letzten Tage brachen schon an, es gab einen Großeinkauf für den täglichen Bedarf (Essig, Öl, Sojasoße, Körperseife, Shampoo, Waschseife, Zahnpasta, Hygienemittel, Sanitärreiniger….). Ich war geschockt, knapp 400€ Einkauf! Gefühlt gab es dafür sonst fast doppelt so viel im Einkaufswagen. Spaghetti Bolognese gibt’s natürlich auch noch für alle und die ganze Face Familie bekam neue Flip Flops. Alle sind sehr dankbar.

Diesen Dank möchte ich gerne weitergeben, an alle, die mir Bargeld mitgegeben haben; damit konnte ich die Einladung ins FACE Food Hub, den Großeinkauf, die Eiscreme und die Flip Flops bezahlen. Auch konnten wir 2000 € vom Spendenkonto überweisen; das Geld kam pünktlich an, um Gehälter und Schulgelder (für die Universität) zu zahlen. Ein großes Dankeschön an alle Unterstützer!

Für mich war es eine sehr schöne und emotionale Zeit und ich bin dankbar, wieder in meine 2. Heimat reisen zu können und besonders dankbar für die unbezahlbaren Momente und Erlebnisse. Es fasziniert mich immer wieder, wie groß die Hilfsbereitschaft und Unterstützung ist, wie achtsam man miteinander in dem schwierigen Alltag umgeht, wie Sorgen getragen werden, wie selbständig schon die Kleinen ihr Leben meistern können und wie fröhlich die Menschen trotz all der Lebensumstände sind. Sicher ist ein Rezept dafür ihr Glaube und das Gebet.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön von Schwester Felicitas und der ganzen FACE Familie für die Unterstützung des Heimes. Wir können uns sicher sein, dass wir täglich in ihren Gebeten bedacht sind. 

Für die Fatima Center Familie, 

Eure Katja Dienst

Fatima - endlich wieder vor Ort!

Die langfristig vorbereitete Übergabe der Leitung des Ordens und des Fatima-Centers wurde am 30.07.2022 vollzogen:  Sr. Vanise hat den Orden und und das Center formal übernommen. Sr. Felicitas berät weiterhin, das "Board of Trusties"  (vergleichbar einem Aufsichtsrat, der aus Familienangehörigen, dem Bischof und weiteren Personen besteht) und die langjährigen Mitarbeiter unterstützen sie. Diese Nachricht erreichte auch uns erst am 30.07., da die entscheidende Sitzung an diesem Tag stattfand. Sr. Felicitas, inzwischen 85 Jahre alt, ertrug 13 Monate Quarantäne zum eigenen Schutz in einem einzigen Zimmer bevor sie den Wunsch äußerte, eine Unterkunft auf dem Grundstück in Balatan am Meer zu erhalten. Dort gab es einst eine schöne Bambus-hütte, die bei einem früheren Taifun zerstört wurde. Sie wurde jetzt durch ein festes Haus ersetzt, das durch einen Land-tausch "bezahlt" wurde. Zu besonderen Anlässen (z.B. Amtsübergabe oder Todestag von Sr. Lasalle am 03.08.) kommt Sr. Felicitas  an einzelnen Tagen zurück ins Heim.  

Sie hat weiterhin ein uneingeschränkt großes Interesse am Weltgeschehen. Dabei nimmt sie durchaus auch wahr, was bei uns hier in Deutschland vor sicht geht.  Mit Sorge betrachtet  sie die Entwicklungen im eigenen Land, aber auch die vielen Konflikte überall auf der Welt. Noch immer hat sie ein  unerschöpfliches Reservoir an Ideen, wie sie zur Verbesserung der Lebensumstände der ärmeren und armen Bevölkerung beitragen kann. So kauft sie bei den Fischern von Balatan Fisch für die Kinder im Heim und hat mit der Einrichtung des "Food Hub" im Center ein weiteres Angebot mit dieser Ausrichtung ins Leben gerufen: Die Studierenden des Heimes betreiben an der Haupstraße in unmittelbarer Nähe des Haupteinganges eine öffentliche Kantine, das FACE FOOD HUB. Dort gibt es günstiges Essen für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Landbevölkerung, die dort vorbei kommen. Geplant ist auch, einen Marktplatz zu errichten, auf dem vor allem die armen Bauern (Tribals) aus den Bergen ihre Produkte anbieten können. Vergleichbar unserem "Catering" kann man die Einrichtung auch für Feste anmieten. Die Einnahmen tragen zur Eigenversorgung bei. Die Arbeiten am Fischteich mussten zwar wegen Geldmangels unterbrochen werden, im fertigen Teil konnten bereits Jungfische eingesetzt werden. Ähnlich sieht es bei der Schweinezucht aus: Gezüchtet wird noch niciht, aber die Mastschweine werden zur Eigenversorgung genutzt und manchmal auch verkauft. All das ist bitter nötig, da auf den Philippinen die Preise in manchen Bereichen genauso hoch sind, wie bei uns, obwohl die Menschen weit weniger verdienen, sofern sie denn überhaupt noch Arbeit haben..

Im Heim selbst sind zur Zeit nur ca. 50 Kinder, da viele in der Coronazeit nach Hause geholt wurden und dort bisher geblieben sind. Am 15. August wird die Schule wieder losgehen, allerdings mit geteilten Klassen, da coronabedingt die Klassengröße 20 Kinder überschreiten darf. 

Katja Dienst und Monika Scharfe

Sr. Felicitas' Vertrauen ins Gebet - der Fischteich

Auf dem Gelände des Fatima-Centers gab es einen Fischteich, der über viele Jahre nicht betrieben wurde und eingetrocknet ist. Ein Freund des Heimes, der nun im Ruhestand ist, hat sich angeboten, den Teich gemeinsam mit den Kindern herzurichten, damit er wieder Oase, Lehrbereich und Hilfsmittel zu Selbstversorgung werden kann. Wie aber, wenn das nötige Geld dazu fehlt?

Sr. Felicitas sagt immer: Betet nur - der Rest ergibt sich. So hat sie es dieses Mal gehalten: Sie hat auf den fernen Philippinen gebetet und hier in unserem Umfeld taucht wie aus dem Nichts eine neue interessierte Spenderin auf. Besonders bemerkenswert: Der von ihr angedachte Spendenbetrag deckt sich mit dem Betrag, der auf Philippinen für den Teich veranschlagt wird....

Die Kinder machen sich schon ans Werk, wie auf den Bildern rechts zu sehen ist. Wir werden hier weiter darüber berichten.

Und vielleicht schaffen wir es ja auch, gerade in diesen Zeiten, dem Gebet mehr zuzutrauen als bisher?

Katja Dienst und Monika Scharfe

Wie es zur Zeit so geht...

Schwester Filicitas lebt zur Zeit weitgehend in Balatan am Meer um einer Ansteckungsgefahr auszuweichen.  Von hier aus leitet sie die Geschäfte. Die Kinder machen in Klein-gruppen Ausflüge zu Arbeitseinsätzen dort hin, die durchaus Freizeitcharakter und Spaß enthalten, weil sie dort zelten dürfen. 

Ihren 85. Geburtstag hingegen feierte Sr. Felicitas am 18.12. im Fatima Center. 85 Jahre sind ein gesegnetes Alter - aber auch ein Zeitpunkt, über die Nachfolge nachzudenken. Zu diesen Beratungen traf sich das "Board of Trusties" - vergleichbar einem Aufsichtsrat, in dem sich 9 Personen aus dem Freundeskreis und der Familie der Schwester und der Bischof befinden. Weitere Treffen sind bis in den Mai hinein geplant, wo dann auch die Entscheidung fallen soll, wie das Heim zukünftig geleitet und gesteuert wird.

Früher als erwartet konnte damit begonnen werden, die Schweinezucht wieder aufzubauen. Durch den Aufruf auf unserer Website dazu, aber auch durch andere Spenden konnten zwischenzeitlich erneut 4000Euro überwiesen werden. Ein Teil dieses Geldes wird in die Schweinzucht investiert, der Rest ist für Ausgaben des täglichen Bedarfs gedacht. Die Schule findet weiterhin online und im Modul-Unterricht statt. Bei schlechtem Netz ist das natürlich alles recht schwierig. Ende Januar gab es einen für die Jahreszeit typischen Anstieg an Erkältungskrankheiten. Da nicht getestet wird, ist eine Aussage über Corona in diesem Zusammenhang schlecht möglich.

Katja Dienst und Monika Scharfe

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