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Reise 2024

Wie viele Menschen aus Weinbach sich für das philippinische Kinderheim „Fatima Center“ engagieren, lässt sich nicht so einfach sagen, denn es sind enorm viele. Alleine beim Ponyfest im letzten Jahr zugunsten des Kinderheims beteiligten sich rund 150 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, rund 70 Kuchenbäcker und –bäckerinnen sowie viele Spenderinnen und Spender. Auch die „Evangelische Auferstehungsgemeinde Gräveneck und Weinbach“ ist sehr aktiv, um dieses Projekt und insbesondere Imelda, die als Kind im Fatima Center lebte und dann Lehrerin werden wollte, um den Kindern dort zu helfen, zu unterstützen. Denn Imelda erkrankte mit 22 Jahren schwer und sie brauchte nicht nur Dialysebehandlungen sondern auch eine neue Niere, die ihre Mutter ihr spenden wollte. Aber das alles ist enorm teuer und die Familie ist arm. So wurde eine große Spendenaktion gestartet, um die Operation zu ermöglichen. Inzwischen ist genügend Geld zusammengekommen, die Operation wurde am 15. März erfolgreich durchgeführt und eine zehnköpfige Weinbacher Reisegruppe hat drei Wochen lang das Fatima Center und auch Imelda besucht.

1990 hatte Katja Dienst zusammen mit Annette Weber das Fatima Center  durch ein Workcamp des Kolping Werks in einem dreiwöchigen Arbeitseinsatz kennen und lieben gelernt. Damit wurde der Grundstein gelegt, dass in all diesen Jahren sehr viele Weinbacherinnen und Weinbacher sowie Freundinnen und Freunde aus der Region  das Kinderheim immer mehr unterstützten und zu seiner Weiterentwicklung beitragen konnten. Aus Hütten entstanden feste Gebäude, Schulklassen und Kindergarten wurden eingerichtet, Lehrer und Erzieher wurden angestellt. Eigene Erzeugnisse werden angebaut und eine Schweinzucht wird betrieben.

Nun hat Katja Dienst ihre 21. Reise ins Fatima Center absolviert, Björn Rosenkranz seine vierte und zum ersten Mal mit von der Partie waren Hansjörg Ketter, Janne Hartl, Timo, Jörg und Nils Rosenkranz, Carolin Rath, Emily und Johanna Eisenstein sowie Prof. Dr. Heinz Buhr aus Berlin, der sich der Gruppe zwei Wochen lang angeschlossen hatte.

In einem Aufsatz „Abenteuer Philippinen“ hat  Janne Hartl ihre Erlebnisse  der dreiwöchigen Reise nieder geschrieben. So berichtet sie, dass aufgrund der vielen Sachspenden, die die Gruppe mit auf die Reise nahm, für jeden nur noch ein halber Koffer für private Dinge zur Verfügung stand.  „Jeder bekam etwa 15 Kilogramm zugewiesen, der Rest wurde mit den Spenden aufgefüllt. Mit viel Schokolade, Spielzeug, Schulbedarf, Taschenlampen, Sonnenbrillen, Kappen und Kuscheltieren im Gepäck ging es endlich los. Gemeinsame Abfahrt bei Katja, die Aufregung war nun doch ziemlich groß. Wir fuhren zum Frankfurter Flughafen. Dort trafen wir unseren Reisekumpanen Heinz aus Berlin, er begleitete uns für zwei Wochen. Nach einer Zwischenübernachtung in Manila kamen wir im Fatima Center an. Nach einer herzlichen Begrüßung gab es erstmal etwas zu Essen. Wir staunten nicht schlecht, Reis zum Frühstück. Aber daran gewöhnten wir uns schnell. Auf den Philippinen gibt es zu jeder Mahlzeit Reis, dort sagt man: „Rice is life". Bis auf Katja und Björn, die schon einige Male das Kinderheim besucht haben, war es für alle aufregend und neu. Das Gelände war deutlich größer als erwartet, nicht nur einmal haben wir uns verlaufen“.

Die Kinder sangen und stellten sich vor, es gab leckeres Essen und die ersten Kontakte wurden geknüpft. „Schnell war klar, dass wir uns hier so richtig wohl fühlen würden“, schreibt  Janne Hartl.

Am nächsten Tag stand der erste Ausflug an: „Es ging nach Balatan, wo Schwester Felicitias, die Gründerin des Fatima Centers, nun lebt. In einem schönen Haus direkt am Strand wurden wir wieder herzlich von Felicitas und ihrer Schwester Lilia empfangen“.  

Mittags wieder im Fatima Center angekommen: „Nun ging die Osterwoche so richtig los. Am Straßenrand bestaunten wir eine lange Prozession, bei der jede Familie der Stadt mit einem selbstgebauten Wagen teilnahm. Lichter, Musik und große Bauten ließen uns staunen. Anschließend tauschten wir uns mit den Kindern des Fatima Centers auf einem Bilderabend aus.  So konnten sie selbst einmal sehen, wie es auf einem Weinbacher Ponyfest aussieht“.

Abends erlebte die Gruppe in der Kapelle des Fatima Centers einen Gottesdienst mit traditioneller Fußwaschung und Abendmahl. Der Karfreitag begann mit einer Messe, bei der der Kreuzweg dargestellt wurde. Anschließend wurde der Tag genutzt, um mit den Kindern Osternester zu basteln. Außerdem wurden die mitgebrachten Kartenspiele ausgepackt, sie fanden großen Anklang und wurden am Ende der Reise im Kinderheim gelassen.

Der Ostersamstag begann mit einer Einkaufstour auf dem Markt in Iriga. Es wurde Material für die anstehenden Projekte in einem Baumarkt gekauft, außerdem wurden 150 Eier zum Färben als Ostereier besorgt. Die Eier wurden direkt im Anschluss bemalt, die Kinder waren sehr kreativ und alle hatten großen Spaß. Zeitgleich wurde mit den ersten handwerklichen Projekten begonnen. Eine Schranke wurde gestrichen, eine Mauer grundiert und auch eine Tür wurde repariert. Am Sonntag  ging es zu einer besonderen Osterzeremonie in die Stadt. Hier wurden Kinder als Engel verkleidet. Der Hauptengel befreit Maria von ihrem schwarzen Umhang, was die Auferstehung Jesu symbolisiert. Diese Tradition der „Easterangels“ gibt es nur auf den Philippinen. Unter großem Jauchzen wurden versteckte Osternester gesucht.

Zu den weiteren Aktivitäten zählte auch eine zweistündige Bootstour über das Meer zur einsam gelegenen Insel „Animasola".

Aber auch das Arbeitspensum im Fatima Center stand im Mittelpunkt: „Wir strichen nahezu den ganzen Tag. Langsam nahm die Wand am Spielplatz Form und Farbe an. Schnell vergingen die Tage, wir hatten uns doch eigentlich so viel vorgenommen. Sogar den Philippinos war es jedoch einfach zu warm, knapp 43 Gad Celsius maßen wir am Mittwoch. Tapfer strichen wir weiter und bereiteten zeitgleich das Essen für die „German Night" am Abend zu. Es sollte Salat, Pizza und Spaghetti Bolognese geben. Anschließend verteilten wir Flipflops an alle. Diese hatten wir ebenfalls vom Spendengeld gekauft,“ berichtet Janne Hartl.

Ein Ausflug auf die eigene Farm des Fatima Centers, wo unter anderem Bananen für die hauseigene Bananenchips-Produktion angebaut werden, folgte. Auch Reisterrassen wurden erkundet. Als die Gruppe dann wieder nach Hause fliegen musste, fiel allen der Abschied schwer. „Und nach einer langen Reise kamen wir erschöpft, aber glücklich und voller neuer Eindrücke wieder in Deutschland an“, so schloss Janne Hartl ihren Bericht.

(Margit Bach und Janne Hartl)

Bilderabend Ende 2023

Am 25.11.2023 hatte das Team „Gemeinsam für die Fatima-Center-Familie“ zu einem Bilder- und Erzählabend in die TuS Turnhalle „Bürgerhaus“ eingeladen.  Anna Zuth erstellte dafür liebevoll eine umfangreiche Präsentation, so dass die vielen Gäste sich genaue Vorstellungen von dem so weit entfernten Fatima Center machen konnten. 

Neben der Entwicklung des Heims, das vor rund 50 Jahren von den beiden Nonnen Schwester Felicitas und Schwester La Salette gegründet worden war, um Waisen und Kindern aus ärmsten Familien ein Zuhause zu geben sowie ihnen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen, standen dabei auch die letzte gemeinsame Reise im März 2023 sowie das Ponyfest im Juli 2023 und die Verwendung der Spenden im Blickpunkt. (Weitergehende Informationen zur Reise und zum Ponyfest finden Sie unter dem Link "Infos aus den Vorjahren").

So bot sich den Menschen in der annähernd voll besetzten Halle die Gelegenheit, einen Einblick in das Leben des Heims zu bekommen. Das Fatima Center ist eine nicht-staatliche Einrichtung, die sich aus dem Verkauf  von eigenen Erzeugnissen sowie mit Spendengeldern finanziert.

Die Reisegruppe hatte pro Person rund 25 Kilogramm Spenden im Gepäck: so konnten zehn Kilo Saatgut, Knochensäge und Schlachtermesser, Medikamente, Schulsachen, Spielzeug, Kuscheltiere, Bürobedarf, Geschenke, Gartengeräte, Hygieneartikel, Nutella, Marmelade und mehr ins Heim transportiert werden. Vor Ort wurden außerdem mit Spendengeldern Großeinkäufe für den Alltag – wie Hygieneartikel, Küchenutensilien, Nahrung und mehr – getätigt. Die Fatima-Center-Familie wurde zu einem Restaurantbesuch eingeladen und ein Wochenendausflug ans Meer zu Schwester Felicitas ermöglicht. Dort erlebten alle zusammen viel Freude beim Schwimmen, Lagerfeuer, Spielen und mehr.

Das elfte Ponyfest im Juli diesen Jahres auf dem Turnierplatz in Freienfels war einmal wieder ein voller Erfolg. Mehr als 150 freiwillige Helfer  und ein 23-köpfiges Organisations-Team waren am heißesten Tag des Jahres aktiv, 16 Pferde, eine Kutsche und 1.750 Tombolagewinne waren weitere Höhepunkte. Es gab einen stimmungsvollen Gottesdienst mit Pfarrerin Christine Lindemann unter Mitwirkung der Kirchenmäuse und ein umfangreiches Programm mit philippinischer Kampfkunst , drei Tanzgruppen,  Musik von Dirk Petersen und Mario Achtner sowie vier Hunden der Agility-Gruppe „Elkerhäuser Bachläufer“, die ihr Können auf einem Parcour bewiesen.  Der Reit- und Fahrverein Weilburg war mit seiner Voltigiergruppe dabei und die Linedancer aus Löhnberg faszinierten mit einem Tanz-Auftritt. Trotz Hitze konnten viele Besucher verzeichnet werden – und zum Schluss war die Freude über erwirtschaftete 12.770, 81 Euro für das Fatima Center groß.

Damit konnten umfangreiche Renovierungsarbeiten in den Innenräumen und den Bädern vorgenommen werden, Fluchttreppen und neue Dächer wurden errichtet. Weiterhin konnten in der Schule fehlende Möbel beschafft werden, der Computerraum wurde weiter ausgebaut.

Im „Magdalene Dienst“- Gebäude wurde der Kindergarten ausgebaut.  Das Gebäude ist nach der im letzten Jahr verstorbenen Magdalene Dienst aus Seelbach benannt, weil sie einen Teil ihres Nachlasses an das Fatima Center vererbte. Die Spenderin ist übrigens nicht mit Katja Dienst verwandt, war aber sehr berührt von der Armut der Menschen.

Die Schweinezucht im Fatima Center zum Verkauf und Verzehr selbst produzierter Wurst (gelernt hatten das junge Männer auf dem Weinbacher Elkenhof der Familie Hölz)  war aufgrund der Pandemie völlig zum Erliegen gekommen: aufgrund von Schweinepest mussten alle 400 Tiere getötet werden. Inzwischen sind die ersten Schweine wieder eingezogen und die neue Zucht befindet sich im Aufbau. 

Auch konnte mit den Spendengeldern ein großer Fischteich angelegt werden, denn die alte Anlage hatte ein Taifun zerstört. Auch neue Bananenbäume wurden gekauft und gepflanzt. Der Gemüse- und Obstanbau läuft weiter und ist neben dem Eigenverbrauch auch teilweise zum Verkauf bestimmt.

Das Verdienen von eigenem Geld spielt eine wichtige Rolle im Alltag des Centers. Derzeit gibt es einen Probelauf:  Manilas Geschäfte sollen regelmäßig mit 500 Bananenchipspäckchen und 500 Plätzchenpäckchen beliefert werden.

Im November besuchten 473 Schüler die Schule, vor Corona waren es 700, aber viele Familien können das Geld dafür nicht mehr aufbringen. Die Lebenshaltungskosten haben sich verdoppelt bis verdreifacht. 52 Lehrer und Kindergartenerzieher sowie Personal arbeiten im Center.

Gegen Ende der Veranstaltung wurde auch noch über Neuerungen in Weinbach informiert: durch die Umstrukturierung der Dekanate erfolgt eine Zusammenlegung der Kirchengemeinde, die das Fatima Center ebenfalls unterstützt, ab dem ersten Januar 2024.

Im Rahmen der Reise gab es auch einen Besuch bei Imelda: die 25jährige hat vier Jahre ihrer High School-Zeit im Fatima Center gewohnt. Sie leidet seit 2020 an Nierenversagen und ist seitdem auf eine Spenderniere angewiesen. Aktuell geht sie drei Mal pro Woche zur Dialyse und kann ihren Beruf als Lehrerin nicht mehr ausüben. Ihre Eltern verdienen weniger als 400 Euro im Monat, die Dialysekosten betragen monatlich rund 600 Euro. Das Weinbacher Team sammelt auch Spendengelder für die Behandlung von Imelda. Für eine Transplantation wären etwa 40.000 Euro nötig, zuzüglich die Kosten für erforderliche Tests. (Die ganze Geschichte zu Imelda finden Sie unter der Rubrik "Imelda")

(Margit Bach)

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